Meine Geschichten

Heiteres und Besinnliches für (Vor-)Lesealter 2 bis 102

Die zornige Eder

Vor langer Zeit lebte im Edertal ein junger Mann namens Moritz. Er war der Sohn eines Bauern und betrieb zusammen mit seinem Vater Heinrich eine Landwirtschaft. Seine Mutter war gestorben, als er noch ein kleiner Junge war. Sein Vater hatte danach nicht wieder geheiratet und seinen Sohn allein großgezogen. Die beiden hatten ihr Auskommen mit ihrem Bauernhof, aber im Hause fehlte einfach eine Frau. Der alte Heinrich lag seinem Sohn schon seit Langem damit in den Ohren, dass es langsam Zeit für ihn würde, sich nach einer passenden Lebensgefährtin umzusehen und eine Familie zu gründen. Aber Moritz wollte sich damit noch Zeit lassen. Jeden Sonntag fuhr er mit seinem Boot auf der Eder nach Fritzlar, um dort auf dem Markt sein Obst und Gemüse zu verkaufen. So wie an jenem schönen Sonntagmorgen im Juni, als etwas sehr Sonderbares geschah. Plötzlich zog Nebel auf. Dicke dunkle Schwaden waberten über das Wasser. Moritz fand das ziemlich ungewöhnlich für die Jahreszeit. Und dann dieses unwirkliche Licht, das alles um ihn herum einhüllte. So hatte er die Eder noch nie erlebt. Jetzt hatte sich auch noch sein Paddel in irgendetwas verfangen. Er zog es aus dem Wasser, schaute nach und wischte sich ungläubig über die Augen …

Warum der Edersee ab und zu nicht ganz voll ist

Wen wundert es nicht? Man kommt an den Edersee und der ist ziemlich leer. Und je nach dem, an welche Stelle man kommt, ist er praktisch überhaupt nicht da. Denn dort, wo er eigentlich laut Karte und Wegweiser sein sollte, fließt lediglich die Eder in ihrem alten Bett. Aber warum ist das manchmal so? Nun, der Edersee hat viele Jahre damit verbracht Turbinen zur Stromerzeugung anzutreiben. Er trug Segelboote, Ruderboote und Ausflugsschiffe. Viele Menschen erfrischten sich in seinem Wasser mit einem kühlen Bad. In all der Zeit hat er nichts anderes gesehen als die Berge rundherum, das Schloß Waldeck, Wassersportler, Camper und all das, was sich sonst noch auf ihm und um ihn herum tummelte. Eines Tages beschloss der Edersee, etwas mehr von der Welt zu sehen. Er kam sich hinter der Talsperre so eingesperrt vor und wollte unbedingt einmal die Welt hinter der dicken Mauer erkunden. Ihm war klar, randvoll müsse er sein, überlaufen müsse er, nur dann könne er die Sperrmauer überwinden. Schon oft war er drauf und dran gewesen, sein Vorhaben in die Tat umzusetzen, nur hatte es nie so richtig geklappt. Irgendwann war es dann doch soweit. Eine Menge Wasser hatte sich in seinem Bett angestaut. Der See lief über. Er nahm seinen ganzen Mut zusammen und stürzte sich kopfüber, kopfunter die Sperrmauer hinab und machte sich auf die Reise …

Mein Marathon – mein Lebensweg

Irgendwann kam ich drauf: Die ersten 42 Jahre in meinem Leben und die 42 km meines Marathonlaufes wiesen erstaunliche Ähnlichkeiten auf. Ich beschloss, dies einmal aufzuschreiben. Mit 42 Jahren lief ich meinen ersten Marathon. 42 Kilometer – 42 Jahre.                                                                                                                                                 Beides begann bei Null. Der Startschuss. Meine Geburt.                                               Kilometer 2: Ich hatte ich mich ein wenig eingelaufen.                                                Lebensjahr 2: Nach meinen anfänglichen wackeligen Schritten setzte ich jetzt sicher einen Fuß vor den anderen.
Kilometer 4: Ein Zehntel der Strecke war geschafft. Neun Zehntel und ein paar Zerquetschte würden aber noch folgen! Mir wurde klar, dies ist kein Kindergarten!  Lebensjahr 4: Gern wäre ich in einen Kindergarten gegangen, aber es gab keinen in meiner Nähe. Also auch hier kein Kindergarten.
Kilometer 6: Ich hatte nun die richtige Betriebstemperatur. Jetzt musste ich meinen Kopf einsetzen, um mir die Strecke optimal einzuteilen.
Lebensjahr 6: Endlich durfte ich zur Schule gehen. Auch dort musste ich meinen Kopf einsetzen.
Kilometer 10: Mann, oh Mann, erst 10 Kilometer. Halbmarathon war ich ja schon mehrmals gelaufen, auch 30-km-Strecken im Training. Aber 42 km? Eine lange, lange Strecke.
Lebensalter 10: Auch meine Lebensstrecke schien mir entsetzlich lang. Erst 10 Jahre alt! Wie gern wäre ich schon weiter, wie gern wäre ich schon groß!                                   Kilometer 14: Plötzlich dachte ich, ich hebe ab. Wahrscheinlich Runner’s high. Ich schwebte!
Lebensalter 14: Zum ersten Mal war ich richtig verliebt. Ich schwebte auf rosa Wolken …

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Bennos Spiegel

Das Ei

Die Geschichte vom unsichtbaren Leo

Die kleine Kirche auf dem Berg

Ein kleiner Seehund weckt die Sonne

Herr Gruber und Schneeflocke

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Nur ein Traum?

 

in Vorbereitung: „Briefe an die Natur“

Liebes Meer,
nun bin ich wieder zu Hause und vermisse Dich. Ja, Du fehlst mir und ich habe nur die Erinnerung an Dich.
Am ersten Tag hast Du mich nicht gerade freundlich empfangen. Hast mir Deine kalte Schulter gezeigt, mir Deine Wellen ins Gesicht gepeitscht, als wolltest Du mich wieder ausspucken, so wie den ganzen Müll, den die Menschheit in Dir entsorgt hat. Du willst ihn nicht haben, das kann ich verstehen. Er kratzt an Deiner Würde.
Mit Deinen Wellen hast Du mich zum Strand zurückgedrängt. Klatsch! Hau ab! Du hast hier nichts zu suchen, so habe ich das empfunden. Okay, vielleicht morgen. Ich fühlte mich abgewiesen …

Liebes Kornfeld …
Lieber Wald …
Lieber Himmel …
Lieber Wind …
Lieber Feldweg …